Von Fall zu Fall…

Das Wichtigste beim Hinfallen ist das Wiederaufstehen. So sagen es die schlauen Leute und sie schauen dabei irgendwo auf einen Punkt kurz vorm Horizont, weil sie das in Filmen so gesehen haben. Und dann machen sie eine Pause, damit die Worte noch lebensweiser klingen. – Ich will ja niemandem auf die Parade regnen, aber ich finde: das Wichtigste beim Hinfallen ist das Hinfallen! Mit Schwung und Karacho und am Besten in eine Pfütze. Und wenn Schlamm zur Hand ist: Bitte, her damit! Und nicht schon beim Hinfallen ans Aufstehen denken. Ordentlich jede Millisekunde genießen. Meine Mama hat immer gesagt: Fall langsamer, dann haste mehr davon! – Das nenne ich richtigen Sportsgeist! 83483_worlds_next_supermanNur wer richtig fällt, hat Spaß! Wenn meine Nichte Hanna zum Beispiel  voller Stolz ihre kaputte Hose präsentierte, nachdem es sie ordentlich hingebrezelt hatte und sie dabei ganz leuchtende Augen hatte. – Ich meine, ganz ehrlich: ein Mann der Aufsteht ist nicht lustig. Wohingegen ein Mann der fällt…Ich werde nie die Szene in Bananas Vergessen, in der Woody Allen wegen eines nichtvorhandenen Gullideckels in den Boden fällt. Da konnte kein noch so ausgefeilter Dialog der späteren Filme mithalten. Wobei ich zum Thema Lustigkeit zur Zeit wohl eher die Klappe halten sollte, fällt mir gerade ein. Ich habe nämlich, nachdem meine Inszenierung der Sieben Todsünden in Frankenthal ein grandioser Erfolg war (danke nochmal an das tolle Ensemble!!) beschlossen ein Stück zu inszenieren in dem Menschen fallen (übers Sofa, über eine Leiche oder in Ohnmacht), streiten (über Löcher, Duschvorhänge und wie man jemand ermordet) und schießen.

BUMMBUMM
Zusammen mit dem Cary Grant der Pfalz Herrn Stegner, der großartigen Frau Regenauer, dem Oli, der Silke, der Maria und dem Rolf haben wir eine kleine Mördersause auf die Bühne gebracht. Wir hatten verdammt viel Spaß dabei. Nur der Mann von der Zeitung findet es leider gar nicht lustig. Also gar nicht.  Überhaupt nicht (nur damit es keine Missverständnisse gibt). Und jetzt, lieber Leser, bitte ich um Mithilfe: Kaufe dir noch heute eine Karte für “Hasch mich, ich bin der Mörder” in Frankenthal und schreib mir danach, wie du die Sache siehst: Sind wir grandios auf die Fresse gefallen oder hattest du Spaß dabei Menschen bei Fallen zuzusehen – oder Beides? Ich freue mich über Rückmeldungen. Denn so oder so: gefallen wird! Und das ist ja wohl das Wichtigste! Also: Hals und Beinbruch!

Reich ist besser!

Die Chinesen sind echt ein komisches Volk. Sie basteln alles und zwar echt gut und verdammt schnell, sie schreiben schöner als ich malen kann und haben im Februar Neujahr. Irgendwie sympathisch! Dank Lina und Pangerl konnte ich dieses Jahr jetzt also ein zweites Mal den Jahreswechsel feiern. Jahr der Schlange wäre angeblich. (Und die macht uns alle reich!) Auf alle Fälle wage ich an dieser Stelle einen kleinen freudigen Ausblick auf dies neue Schlangenjahr:
Dank der Landesregierung und ihren Kulturpolitischen Gremien und Unterorganisationen wird es dieses Jahr geschehen. Im Kopf war es ja schon seit 2011. Und erst, als ich selbst nicht mehr damit gerechnet habe, ist es passiert. Ich habe es tatsächlich geschafft Konzepte und Anträge zu schreiben. Und jetzt wird das “Fight Club” Projekt stattfinden. Bild_182_091Arbeitstitel ist im Augenblick: “Kill your Darlings. Überrasch mich endlich!” Zusammen mit dem Theater im Felina in Mannheim, den Landungsbrücken in Frankfurt, den Kammerspielen in Wiesbaden und dem Theater Alte Werkstatt in Frankenthal werde ich dieses Projekt angehen. Ich freu mich arg. Frau Lecarte hat schon zugesagt. Und dann kann ja gar nichts mehr schiefgehen. Jetzt brauch ich nur noch drei Männer und zack – dann kanns losgehen.
Auf der Bühne wird das Ding dann im frühen Winter kommen. – Ach es ist immer wieder überraschend, was passieren kann, wenn man die eigene Trägheit vergisst und einfach losgeht. Apropos Trägheit (hassenswerte Überleitung – der geneigte Leser möge es mir verzeihen): die 7 Todsünden sind in der heißen Phase angekommen! Wir proben gerade mit Hochdruck an Hochmut, Wolllust, Zorn, Neid,Völlerei, Habgier und eben Trägheit. Heute gab es in einer Probe sowohl Leonard Cohen als auch “Es gibt kein Bier auf Hawaii”- und zu guter Letzt noch eine Torte ins Gesicht. Es wird also ein toller Theaterspaß. Ich freu mich schon richtig darauf, die Produktion mit einem großartigen Damen-Ensemble am 7.März auf die Menschheit loszulassen.sieben_todsuenden_130202_021 Ach und zwischen den Proben und den Vorbereitungen für die nächste Regie (Hasch mich, ich bin der Mörder) und der nächsten Schauspielproduktion (“Meier,Müller Schulz oder nie wieder einsam!”) bin ich immer mal wieder seminieren. Zuletzt war ich mal wieder im verschlafenen Bad Kohlgrub. War ne sehr angenehme und schöne Woche mit arg netten Menschen. Wobei ich das schon vorher wußte, denn in meinem Lieblings Schnellimbiss hatte ich am Tag vor der Abreise nen Glückskeks mit folgendem Spruch: “Jedes neue Gesicht bringt dir ein Lachen!” – und das muss ich einfach sagen: da hatte er mal wieder Recht der Chinese. Ich wünsche also allen Lesern dieser Zeilen ein gutes Schlangenjahr und beachtlichen Reichtum.

Alles bunt…

November. Es graut so sehr vor der Haustüre, dass ich beschließe die Fenster mal ausnahmnsweise nicht gekippt zu lassen, damit wenigstens die Wohnung noch Farbe behält. Und weil ich diesen Dingern, die draußen herumirren und so unausgeglichen verbissen wirken, diesen vermummten gleichzeitig frierend und von unter der Daunenjacke rötlich schwitzenden Leuten nicht zu nahe kommen will.
Also hab ich mein Köfferchen gepackt und bin losgefahren. Und jetzt sitze ich bei entspannten 5 Grad vor dem Theatercafé in Graz, trinke gut gekühlte Cola und freue mich. Konzipiere gerade meine nächste Regie-Arbeit. Todsünden sind das Thema. Alle Sieben. Und sie werden wohl singen und manchmal auch tanzen. Zumindest stelle ich mir das hier in der steiermärkischen Frische gerade sehr hübsch vor. Und ich freu mich schon arg darauf, die neuer Lichtanlage im Theater Alte Werkstatt ordentlich zu benutzen. Premiere ist Anfang März. Wer vorher auch Lust auf großartige Theaterunterhaltung hat, dem empfehle ich Sascha Stegners Inszenierung “Dieses Jahr wird alles anders” – ein großer Spaß.  Man braucht nur ein wenig Pfälzischkenntnisse und ab geht die wilde Fahrt.
Nächste Woche gastieren Johanna, Hedda, der schöne Jürgen und ich übrigends mit französischen Kammerspielkomödie “die Wahrheit” im Theater in der Kurve im schönen Neustadt an der Weinstraße. Es lohnt sich auf alle Fälle die Inszenierung des Alten Mannes des gepflegten Kammerspielspaßes in seiner Heimatstadt zu sehen und auch Heddas kleines Theater ist ne Reise wert. So, meine Reise führt mich jetzt erst mal nach Drinnen. Es hat angefangen zu regnen und grauer Nebel hängt überm Platz. Da geh ich lieber rein, dahin wo die Scheinwerfer alles bunt machen und hübsche Menschen schön auf Bühnen stehen….

Einfach gewinnen!

Schnurrbart trägt der Hipster diesen Sommer. Zumindest habe ich das gehört. Und nun hofft der Hipster natürlich, dass der Sommer sich schon wieder dem Ende zuneigt, damit er nicht so sehr  schwitzt unterm Bart. (Weil im Herbst, klaro, da steht der beschnurrbartete Mann gut da und hats warm um den Mund.) Ich hingegen, bin doch stark dafür, dass es noch ne Weile sonnt hier im lauschigen Mannheimer Lindenhof. Nach einigen Wochen intensiver Seminararbeit in Nürnberg, Bamberg, Herzogenaurach, Lüneburg und Erfurt (Erfurt ist mir echt ans Herz gewachsen – das Süße Eck und die ganze so entschieden entspannte Stadt) bin ich wieder zurück in meinem Viertel.

Und während ich das sommerliche Kurpfälzer Leben mit Biergarten, am Neckar grillen und am See rumlungern genieße, probe ich gerade das fantastische Stück von Florian Zeller namens „Die Wahrheit – von den Vorteilen, sie zu verschweigen, und den Nachteilen, sie zu sagen“. Ich spiele den Michel, einen liebenswerten etwas neurotischer Egozentriker. Also ich finde ihn liebenswert. Der Rest des Ensembles hat bezüglich meiner Rolle eine vollständig andere Meinung. – Aber die haben das Stück natürlich noch nicht richtig verstanden und werden mir sicher irgendwann in meiner Einschätzung folgen. Es ist ein tolles Stück über Kommunikation, über charmante Lügen und die Unfähigkeit sich zu verändern – und dabei ist es brüllend komisch. Also, kommt zuhauf und ihr werdet sehen, wie liebenswert Michel wirklich ist. Premiere ist am 23. August.

Einen kleinen Film habe ich auch gedreht. Und zwar mit dem alten Mannheimer Multitalent Volker Heymann. Ein schön skurriler Unsinn, bei dem es viel Spaß gemacht hat mitzuwirken. Das Ergebnis gibt es bald auf Festivals zu sehen. Werde vermelden wo.

Und dann starten jetzt bereits die Proben für „Der letzte Wille“ – einem Leichenschmaus in 5 Akten von Fitzgerald Kusz. Eine schwarzhumorige Komödie über den Tod und das Erben. Über Gier und natürlich über Familie. Ich freue mich schon wie Bolle darauf, diese Mischung aus Volkstheater und „The Munsters“ in einer Edgar Wallace-haften Stilistik zu inszenieren. Das wird ein Spaß! Im Oktober gibt es dann das Ergebnis zu begutachten. Also: Vormerken!!

Während ich das hier so schreibe und nebenbei Olympia schaue, sticht mir doch ein netter Herr Mitte Fünfzig entgegen. Er scheint der Trainer einer Volleyballmannschaft zu sein. Ein buschiger Schnurrbart prangt über seinen Lippen. Ob er sich bewusst ist, dass er ein Stilvorbild ist für zwanzig Jahre jüngere Männer? Und ist der Unterschied zwischen cool und spießig, zwischen Attitüde und Authentizität manchmal einfach nur ein paar Lebensjahre? Nun, die Wahrheit liegt wie immer auf dem Platz. Und seine Mannschaft hat wohl gerade gewonnen. Und das rate ich dem geneigten Leser dieser Zeilen auch: Gewinne einfach mal wieder! Egal was!

Mai 2011

Es sei zu trocken, sagt mein Küchensender SWR1 – und nachts zu kalt. Dem Wein fehle der Regen, dem Getreide die nächtliche Wärme und der Spargel wächst wohl auch nur unter Protest.
Da kommt es doch gerade recht, dass im TAW das “Alles hot soi gudi Seid” – Musical in die dritte Runde geht. Da bleibt der Abend warm: 10 Zusatzvorstellungen für jeweils 10 Euro, jeweils Freitag bis Sonntag – nur im Mai – also: Karten bestellen!
Und noch ein alter Bekannter taucht im Mai wieder auf: Der Reigen mit Valerie Lecarte steigt am 16. und 17. Mai in den Kammerspielen Wiesbaden. Im Juni spielen wir den Reigen endlich wieder in der Metropolregion – 28. und 30. Juni im Karlstorbahnhof. Und die letzten Vorstellungen von Kunst des Fallens werden in Darmstadt feilgeboten.
Bei soviel Wiedersehen freue ich mich, dem geneigten Leser ein paar neue Gesichter vorstellen zu dürfen: “Ich will än Pälzer als Mann” ist fertig geschrieben – und wird im Januar 2012 Premiere feiern, “Fight Club” nach Chuck Palahniuk ist noch für dieses Jahr in Heidelberg in Planung und Martin D’Costa hat mit mir einen spontanen BurnOut-Kurzfilm gedreht. Den kann man bald beim Goldenen Hirschen sehen.

Am Wochenende Freibadwetter, sagt die Frau aus dem Radio. Bis 29 Grad. Ich meine: Wer braucht Spargel, wenn er Anfang Mai schon ins Freibad kann? Und Wein trink ich sowieso nicht!
Genießt die Sonne! Und bis bald!